DAS GASTLAND DER FRANKFURTER BUCHMESSE IN BONN
Moderation: Eva Profousová
Lesung der deutschen Texte: Tatjana Pasztor
In deutscher und tschechischer Sprache
„Tschechien: Ein Land an der Küste“ – Neue Ufer, weite Horizonte: Der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026 präsentiert ein Meer der literarischen und kulturellen Vielfalt.
Wie es gute Tradition ist, stellt das Literaturhaus Bonn bereits am Vorabend der Messe namhafte Autor*innen und Texte aus dem Gastland vor:
Dora Kaprálová wurde 1975 in Brünn geboren und gehört zu den markantesten Stimmen der zeitgenössischen tschechischen Literatur. Sie schreibt und veröffentlicht von der Kritik gelobte Prosa, Essays, Theater- und Hörspiele, Drehbücher und hat viele Radio-Dokumentationen produziert. Bislang sind fünf ihrer Prosawerke auf Deutsch erschienen, zuletzt „Winterbuch der Liebe“ in der Übersetzung von Nataša von Kopp beim Berliner Verlag Mikrotext.
Anlässlich der Frankfurter Buchmesse erscheint im September 2026 ihr neuester Roman „Mariborská hypnóza“ unter dem Titel „Die Mariborhypnose“ auf Deutsch im Mikrotext-Verlag – aus dem Tschechischen von Nataša von Kopp. Er wurde am 18. April 2026 im Rahmen des wichtigsten tschechischen Literaturwettbewerbs Magnesia Litera als „Buch des Jahres 2026“ ausgezeichnet und erhielt zudem den Preis für die beste Prosa „Magnesia Litera“. Derzeit steht es auch auf der Shortlist für den „Literaturpreis der Europäischen Union (EUPL)“.
Jáchym Topol, 1962 in Prag geboren und Sohn des Dramatikers Josef Topol, war nicht nur der Star des literarischen und musikalischen Underground vor 1989 sondern ist auch heute noch der bekannteste tschechische Autor seiner Generation. Als Sechzehnjähriger unterzeichnete er die Charta 77, 1985 begründete er das Underground-Magazin Revolver Revue, er arbeitete als Heizer und Lagerarbeiter. 1988 erschien in Samizdat sein erster Gedichtband „Ich liebe Dich bis zum Irrsinn“. Seinen Durchbruch als Schriftsteller hatter er mit dem Roman „Die Schwester“. Topol lebt in Prag.
Prag, am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Tom, ein alternder Journalist, bricht mit seiner Geliebten zu einem Ausflug in die Umgebung auf. Ein südböhmisches Barockkloster verspricht Ablenkung von innerer und äußerer Konfusion: Seine Ehe ist kaputt, der Job hängt am seidenen Faden, der schwule Sohn macht ihm Sorgen. Da meldet sich die Redaktion – Point, ein angesagtes Organ, finanziert von einem undurchsichtigen Geschäftsmann mit Verbindungen nach Russland. Man braucht sofort einen Artikel über das Vertrauen der Tschechen in die Nato …
„Die Hölle gibt es nicht“ (aus dem Tschechischen von Eva Profousová) erzählt voller Komik und Verzweiflung, was aus den Hoffnungen und Träumen von 1989 geworden ist. Da taucht nicht nur die alte, sehr tschechische Geschichte wieder auf – gegen die Panzer einer Invasionsarmee ist der Einzelne machtlos. Sondern auch die akute Erfahrung: verstrickt in Liebes- und Familienchaos, wird man dem historischen Augenblick kaum gewachsen sein.
Marek Torčík (* 1993) ist Lyriker, Schriftsteller und Publizist. Er stammt aus Přerov und lebt in Prag, wo er Anglophone Literaturen und Kulturen an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität studierte. Im Jahr 2016 veröffentlichte er den Gedichtband „Rhizomy“; seither publizierte er vor allem Prosa und Lyrik in Literaturzeitschriften. In den Jahren 2018 und 2020 gehörte er zu den zehn Finalist*innen des tschechisch-slowakischen Wettbewerbs Básne SK/CZ. Sein Roman-Debüt „Was die Zeit nicht nimmt“ (Rozložíš paměť) wurde mit dem wichtigsten tschechischen Literaturpreis Magnesia Litera in der Kategorie Prosa sowie mit dem Jiří Orten Preis ausgezeichnet.
Ein Anruf in der Nacht – und die Vergangenheit kehrt zurück.
Ein nächtliches Gespräch mit der Mutter führt Marek wieder in seine Jugend. Zurück in eine Familie mit dysfunktionalen Mustern und in ein Umfeld, das Andersartigkeit bestraft. Als queerer Junge in einer konservativen Industriestadt ist Mobbing Mareks ständiger Begleiter. Und die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche von 1989 belasten nicht nur ihn, sondern die ganze Familie – in Form von Armut, Alkoholismus und Gewalt.
Melancholisch, fragil, vor allem aber hoffnungsvoll beschreibt Torčik die Identitätssuche eines jungen Mannes mit dem Mut, zu sich selbst zu stehen.
„Was die Zeit nicht nimmt“ wurde bisher in 27 Sprachen übersetzt (ins deutsche von Mirko Kraetsch) und ist der international erfolgreichste tschechische Roman seit Jahrzehnten.
In Kooperation mit der Bundeskunsthalle
Gefördert durch die Kunststiftung NRW
Bundeskunsthalle, Helmut-Kohl-Allee 4, Bonn
Karten im VVK über Bonnticket 19€ / 12€ / 2,50€ , Abendkasse 21€ / 14€ / 3€

